Ratgeber · Mastering
Lautheit verstehen: LUFS, True Peak und warum −14 die richtige Zahl ist
Jeder, der einen KI-Song neben einen Chart-Titel legt, kennt den Moment: Der eigene Song klingt leiser, dünner, irgendwie „kleiner“. Der Reflex ist, den Pegel hochzudrehen. Das ist meistens der falsche Weg – und um zu verstehen, warum, braucht es zwei Begriffe.
LUFS: Wie laut ein Song wirklich ist
LUFS (Loudness Units relative to Full Scale) messen die empfundene Lautheit über den ganzen Song. Anders als ein Peak-Meter, das nur den lautesten Ausschlag zeigt, gewichtet die Messung Frequenzen so, wie das Ohr sie hört – Mitten zählen mehr als Tiefbass – und mittelt über die Zeit. Der Standard dahinter heißt ITU-R BS.1770; unser Mastering-Werkzeug misst exakt danach.
Typische Werte: Ein moderner Pop-Master liegt zwischen −9 und −12 LUFS, eine akustische Ballade bei −16, ein Hörbuch bei −18. Ein unbearbeiteter Suno-Export landet oft zwischen −12 und −16, schwankt aber stark von Song zu Song – genau das macht ein Album ohne Mastering unruhig.
True Peak: Die Decke, die nicht reißen darf
Der True Peak ist der höchste Pegel, der nach der Wandlung in ein analoges Signal tatsächlich entsteht – inklusive der Zwischenwerte zwischen zwei digitalen Samples. Er kann über dem liegen, was ein gewöhnliches Peak-Meter anzeigt. Verlustbehaftete Formate wie MP3 und AAC erzeugen zusätzliche Überschwinger. Deshalb verlangen Distributoren und Streaming-Dienste Luft nach oben: −1 dBTP ist der übliche Richtwert, manche Dienste empfehlen −2 dBTP für sehr laute Master.
Was die Streaming-Dienste mit deinem Song machen
Spotify, Apple Music, YouTube, Amazon und Tidal normalisieren die Wiedergabe. Spotify zieht alles auf etwa −14 LUFS, Apple Music auf −16, YouTube auf rund −14. Ein Song, der mit −9 LUFS angeliefert wird, wird dort einfach um 5 dB leiser gedreht. Was bleibt, ist die geringere Dynamik: Der laut gemasterte Song klingt nach der Normalisierung oft flacher als ein Song mit −14 LUFS, weil die Transienten im Limiter geblieben sind.
| Dienst | Ziel-Lautheit | Leise Songs anheben? |
|---|---|---|
| Spotify (Standard) | ca. −14 LUFS | Ja, bis der True Peak −1 dBTP erreicht |
| Apple Music | ca. −16 LUFS | Ja |
| YouTube | ca. −14 LUFS | Nein |
| Amazon Music | ca. −14 LUFS | Ja |
| TikTok / Instagram | stark komprimiert, Ziel unklar | – |
Richtwerte, die sich ändern können. Entscheidend ist das Prinzip: Alle Dienste gleichen die Lautheit an.
Die richtige Zahl für KI-Musik
Für fast alle Genres ist −14 LUFS bei −1 dBTP der sinnvolle Standard: laut genug, dass nichts angehoben werden muss, leise genug, dass die Dynamik bleibt. Zwei Ausnahmen:
- Club- und Dance-Titel dürfen auf −11 LUFS, weil das Genre so gehört wird und weil DJs nicht normalisieren.
- Akustik, Klassik, Orchestral profitieren von −16 LUFS – mehr Luft, mehr Raum.
Was du mit der Zahl nicht erreichst: einen besseren Mix. Wenn die Stimme im Original hinter dem Beat verschwindet, holt sie kein Mastering nach vorn. Dafür brauchst du einen neuen Generierungsdurchlauf mit angepasstem Prompt oder eine Stem-Trennung.
Dynamik: Die Zahl, die alle vergessen
Im Werkzeug steht unter der Lautheit die „Dynamik“ – der Abstand zwischen True Peak und integrierter Lautheit. Bei einem lebendigen Pop-Song sind das 10 bis 14 dB, bei einem zerquetschten Master 6 bis 8. Wenn diese Zahl nach dem Mastern unter 8 fällt, war das Ziel zu laut gewählt. Eine Stufe runter, neu mastern, gegenhören.
So prüfst du es selbst
- Song in das Mastering-Werkzeug laden. Die Analyse zeigt sofort LUFS, True Peak und Dynamik des Originals.
- Profil wählen, mastern, im A/B-Vergleich mit Lautheitsangleich hören. Erst dann weißt du, ob der Klang besser wurde oder nur lauter.
- Export als WAV 24 Bit für den Distributor. MP3 nur für Vorab-Links und Social Media.
Merksatz: Lautheit ist eine Entscheidung, keine Wettbewerbsdisziplin. Die Streaming-Dienste haben den Loudness War beendet – du musst ihn nicht fortführen.
Alle Ratgeber sind bewusst allgemein gehalten: welche Modelle und Werkzeuge bei dir laufen, hängt von deiner Hardware ab. Fragen oder Korrekturen? Schreib uns.